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Neue Nationalgalerie

Text Esther Harrison / Creme Guides
·
16.08.2021
Am 22. August 2021 wird die Neue Nationalgalerie neu eröffnet, unsere Kunstautorin Esther Harrison hat die Ausstellung sowie die gläserne Haupthalle vermisst.

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Wir beenden unser Sommerspecial über Berliner Kunstinstitutionen, wie sollte es auch anders sein, mit der Neuen Nationalgalerie. Oh, so lange haben wir auf die Wiedereröffnung gewartet. Sechs lange Jahre war der verglaste Kubus, welcher allgemein als das letzte eigenständiges Werk (und einziger Bau in Nachkriegsdeutschland) von Mies van der Rohe und als Vermächtnis des visionären Baumeisters des 20. Jahrhunderts gilt, sanierungsbedingt geschlossen.

Und obwohl man ab 2015 mit der “Neuen Galerie“ im Hamburger Bahnhof eine adäquate Ausweich-Dependance für große Ausstellungen wie Ernst Ludwig Kirchner in 2016 oder zuletzt in 2019 die stark besuchte und konträr diskutierte “Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus” gefunden hatte, blieb doch immer ein Stück Sehnsucht nach dem unverwechselbaren Rahmen, den die Neue Nationalgalerie bietet.

Das Erlebnis, über die spiegelnden Bodenplatten durch die lichtdurchflutete komplett verglaste monumentale Haupthalle mit dem Blick nach draußen auf die Potsdamer Straße zu laufen, im Augenwinkel Skulpturen der jeweiligen Ausstellung – es ist das eindrucksvolle Zeugnis des von Mies van der Rohe entwickelten Gedankens eines Universalraums mit allen Sinnen zu begreifen. Nicht umsonst gilt das 1968 eröffnete Haus, das als Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts der Berliner Nationalgalerie fungiert, als absolute Ikone der klassischen Moderne. 

Für die lang erwartete, mehrmals verschobene Neueröffnung am 22. August 2021 wird für eben jene gläserne Haupthalle eine eigens konzipierte Einzelausstellung von Alexander Calder, sowie eine Einzelausstellung der Künstlerin Rosa Barber gezeigt, während man unter dem Titel “Die Kunst der Gesellschaft“ im Untergeschoß die Heimkehr der Sammlung mit 250 Gemälden und Skulpturen unter anderen von Hannah Höch, Lotte Laserstein, Leonor Fini, Otto Dix, Ernst Ludwig Kirchner oder Renée Sintenis feiert.

Reflektiert werden die großen gesellschaftlichen Prozesse und Umbrüche zwischen den Jahren 1900 bis 1945. Das Kaiserreich, der erste Weltkrieg die sogenannten Goldenen 20er Jahre der Weimarer Republik, die Zensur der Avantgarde im Nationalsozialismus, der zweite Weltkrieg und der Holocaust. Wahnsinn, wenn man mal darüber nachdenkt, was in diesen 45 Jahren alles passiert ist und wie sehr es (nicht nur) Deutschland geprägt hat. Bis heute.

Sprung in die 60er Jahre und zu Alexander Calder (1898-1975), dem amerikanischen Vertreter der kinetischen Kunst, dessen Außenskulptur “Têtes et Queue“, die zur Eröffnung der Neuen Nationalgalerie (von Kritikern damals verächtlich als Bahnhofshalle bezeichnet) aufgestellt wurde, nun auf die weitläufige Terrasse zurückkehrt.

Die in der Haupthalle gezeigten, oft beweglichen Objekte von Calder rangieren von minimaler Größe bis zu raumübergreifend, wie der Name der Ausstellung “Minimal / Maximal“ schon erahnen lässt. Außerdem wird hier auch auf die Einbeziehung der Besucher:innen gesetzt, yay!

Mit “In a Perpetual Now“ hat die Berliner Künstlerin Rosa Barba eine mit der Architektur der Neuen Nationalgalerie harmonierende Konstruktion, die dem Prinzip einer filmischen Montage folgt, entwickelt. Jene ist zudem im Rahmen ihres neuen Films entstanden, an dem sie anlässlich der Ausstellung arbeitete. Insgesamt wird sie 15 filmische und skulpturale Werke zeigen, darunter auch einige zentrale Werke ihres Schaffens.

Der Andrang am Eröffnungswochenende wird GIGANTISCH sein. Wir raten viel Geduld, Picknickkram und gute Laune, sowie viel Lässigkeit mitzubringen und es als Berliner Place to be und Happening zu betrachten, denn das wird es ohne jeden Zweifel sein. Bring it on Mies, we‘re ready!

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