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Über Generationen hinweg

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16.11.2021
Der Weg zum Firmensitz der Naturkosmetikmarke Annemarie Börlind führt uns im Schwarzwald erst mal steil hinauf: In Serpentinen haben die Menschen die Berge hier erobert, bewirtschaft- und bewohnbar gemacht.

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Obenauf, in einer Dorfstraße am Ortsrand, stehen das lichte Gebäude und die Fabrikhalle des Familienunternehmens, das mit dem Slogan wirbt: „Made in the Black Forest“. Der Verweis auf den Schwarzwald, „dort, wo die Kuckucksuhren herkommen“, begeistere besonders Kundinnen in Asien und in den USA, erklärt die Chefin Alicia Lindner: „Da denken alle direkt an Natur, Wälder, Bäche“, sagt die 30-Jährige und lacht.

Alicia Lindner sieht Börlind „vom Zeitgeist geküsst“

Ihr Büro wie auch die Unternehmensführung teilt sie sich mit ihrem fünf Jahre älteren Bruder Nicolas, also empfängt sie uns im lichten Besprechungsraum. Dort füllt sie erst mal Wasser in die Gläser – aus einer Flasche mit dem Aufdruck „Annemarie Börlind“. Das Wasser stammt aus einer Tiefenquelle unter dem Firmengrund und ist klares Bekenntnis zu Natur, Region und Qualität. Es fließt ein in die Herstellung der Haut- und Haarpflegeprodukte und Kosmetika von Börlind – wie überhaupt vor allem natürliche, regional und oft biologisch erzeugte Inhaltsstoffe sowie nachhaltige Verfahren zum Einsatz kommen. Darauf setzte die Firma schon, als Naturkosmetik noch längst kein Label war, das dem Zeitgeist entsprach. Gegründet haben die GmbH 1959 Alicia Lindners Großeltern Annemarie und Walter, die zuvor in der DDR enteignet worden und geflohen waren, und deren Geschäftspartner Hermann Börner, der bereits Erfahrung hatte im Handel mit naturidentischen Arzneimitteln. Aus ihren Namen entstand der Markenname. Seit 2003 ist das Unternehmen im alleinigen Besitz der Familie Lindner, die nun die Übergabe an die dritte Generation vollzieht: Gründer-Sohn Michael, der unter anderem das Portfolio um die dermatologische Markenserie Dado Sens erweiterte, hat das operative Geschäft Anfang 2020 an zwei seiner vier Kinder übergeben – und das zu einem offenbar idealen Zeitpunkt. „Wir sind vom Zeitgeist geküsst“, sagt Alicia Lindner, die nach Studium und ersten Karriereschritten bei Beratungen 2014 aktiv ins Unternehmen eingestiegen war. Denn während sie sukzessive die Verantwortung unter anderem für Vertrieb, die Marke Dado Sens, die Finanzbuchhaltung und das Controlling übernahm, wurde der Klimawandel das globale Megathema: Kunden fordern vegane Inhaltsstoffe, nachhaltiges Wirtschaften – die ganze Beauty-Industrie tüftelt an nachhaltigen Produkten und Prozessen.

Alicia Lindner steht bei Börlind für Werte und Herausforderungen

Doch während Giganten wie Beiersdorf oder L’Oréal sich gewaltig mühen, umzusteuern und Naturkosmetik-Start-ups zukaufen, bauen die Enkel der Börlind-Gründerin deren ideelles und unternehmerisches Erbe aus. Die Marke Annemarie Börlind hat sich in dem hart umkämpften selektiven Kosmetikmarkt außerordentlich gut positioniert. Während der Markt stagniere, punktet Börlind im wachsenden Segment der Naturkosmetik. Behutsam erweitern die Geschwister die Produktpalette, reagieren mit Innovationen auf Trends und haben zum Beispiel ein preisgekröntes Gesichtsöl auf den Markt gebracht, das gegen die Hautalterung durch Strahlung von Computer-Bildschirmen wirken soll. Auch lässt sich das Familienunternehmen seit 2012 mit dem strengen internationalen Nachhaltigkeitslabel CSE zertifizieren. „Dafür lassen wir uns von A bis Z durchleuchten. Klimaziele erreicht man nicht mit Feigenblattaktionen – sondern nur, wenn alle ihren Beitrag leisten“, so Alicia Lindner.

Hochwertige Rohstoffe aus der Region

Und hochwertige Rohstoffe finden sich zuweilen um die Ecke: Die positiven Eigenschaften der Stammzellen der Schwarzwaldrose für die Haut entdeckten die firmeneigenen Forscher, als um die Ecke die Bundesgartenschau stattfand. Und für weit entfernt angebaute Zutaten wie Jojoba-Öl oder Shea-Butter treibt das Unternehmen sozialverantwortliche Anbauprojekte wie in Namibia oder Nepal voran. Die wirken dort auch als Empowerment für die Frauen, die dadurch eigenes Einkommen sichern – eine Herzensangelegenheit der Chefin, von der sie begeistert erzählt.

Gelebtes Familienunternehmertum

Auch die Corona-Pandemie habe Börlind bislang nicht geschadet, sagt die Chefin. „In Zeiten von Corona verbringen die Menschen mehr Zeit mit sich selbst und fragen, wie gesund und nachhaltig das ist, was ihr Körper berührt und aufnimmt – schließlich ist die Haut unser größtes Organ. Das spüren wir deutlich an der Nachfrage.“

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