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Alfa Romeo Giulietta SPRINT SPECIALE

Text
Jörg Walz
·
Foto
Alessandro Marrone
Ein wahres Gedicht von schnellem Automobil ...


… so beschreibt Alfa Romeo die Giulietta Sprint Speciale in einer 1958 veröffentlichten Pressemappe. Die Giulietta ist ein Wirtschaftswunderkind, hineingeboren in die Jahre des Aufschwungs. Das Dolce Vita lässt die dunklen Jahre vergessen. Für eine wachsende Mittelschicht wird der Traum vom Auto Realität. Auch für Franco Scaglione: Eigentlich ist Scaglione beseelt von Flugzeugen, beginnt vor dem Krieg mit dem Studium von Luft- und Raumfahrttechnik. Nach dem Krieg geht er nach Turin, wo sich sein Weg mit dem von „Nuccio“ Bertone kreuzt. Der übernimmt zu jener Zeit die von seinem Vater gegründete Firma und wandelt sie – mit Scaglione an seiner Seite – vom Stellmacherbetrieb zum wegweisenden Styling-Büro, Serienentwickler und Fahrzeughersteller. Bei Bertone überträgt Scaglione seine Aerodynamik-Leidenschaft aufs Auto. Und das mit einem Paukenschlag: BAT 5 heißt das in 1953 in Turin gezeigte Show-Car, das bis heute seinesgleichen sucht. BAT steht – auch wenn es leicht so sein könnte – nicht für Fledermaus, sondern als Abkürzung für Berlinetta Aerodinamica Technica. Für Bertone ist es der Türöffner: Alfa erteilt der Carrozzeria daraufhin den Zuschlag für die Produktion des Giulietta Sprint. Bertone entwirft das Karosseriekleid und produziert die Fahrzeuge, die dann im Alfa-Werk ihren Antriebsstrang mit dem legendären 1,3-Liter-Bialbero-Vierzylinder erhalten.

Während den Autos in Amerika Flügel wachsen und Leuchten Formen annehmen, die an glühende Strahltriebwerke erinnern, konzentriert sich Scaglione auf aerodynamische Effizienz. Im Rahmen ausführlicher Testfahrten zwischen Mailand und Turin wird die Karosserie optimiert. Die Autobahn als Windkanal. Am Ende duckt sich eine ausladende Karosserie auf dem kurzen Spider-Rad- stand – rund 25 Zentimeter länger als das von Sprint und Limousine, spürbar breiter und deutlich flacher. Mit einem beachtlichen cW-Wert und einer für die Motorleistung sensationellen Höchstgschwindigkeit. Messepremiere ist 1957. Bis zum Erscheinen einer ersten Serie, mit flach über der Straße schnüffelnder Nase, vergehen weitere zwei Jahre und noch einmal ein paar Monate, bis die finale Serienversion käuflich ist. Zu der Zeit hat Zagato das Rennen um den Rennwagen gemacht. Der elegante SS wird zum exklusiven, alltagstauglichen Autobahn-Gleiter. Ab 1963 wird die Giulietta zur Giulia SS, mit nun 1,6 Liter Hubraum. Insgesamt entstehen bis 1965 knapp 3.000 dieser atemberaubend schönen Coupés. Bis heute gehört das stromlinienförmige Coupé zu den interes-santeren Erscheinungen in der 110-jährigen Alfa Romeo Markengeschichte, die sich von den Ursprüngen der Industrialisierung bis ins Heute erstreckt.

Die Geschichte findet seine Fortsetzung in der RETROWELT #18.

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